Vorbericht zur Grabung

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Vorbericht zur Grabung

Fundmeldung:
Zu Mittag, am Freitag dem 20. März 2020, bemerkte der Baggerfahrer herumliegende Knochen und verständigte die Hauptpolizeiinspektion Vöcklabruck. Die Streife „Schörfling 1“ traf kurz darauf auf der Baustelle ein und es wurden zwei Langknochen freigelegt. Die zufällig vor Ort anwesende Gemeindeärztin klassifizierte diese Funde „mit hoher Wahrscheinlichkeit als menschlich“. Der noch Großteils intakte und mit Schutt bedeckte Sarg wurde mittels Schaufel und Spaten freigelegt und gemeinsam mit der Gemeindeärztin ein kleinerer Knochen entnommen. Nach den Bergemaßnahmen erfolgte die polizeiliche Absperrung der Baustelle.

Bergung:
Nach der Beauftragung durch den Grundbesitzer trafen zwei Archäologen der Fa. Archeonova am Dienstag, dem 24. März ein und begannen mit den Bergemaßnahmen. Der Sarg wurde oberflächlich weiter freigelegt, fotografisch dokumentiert und geodätisch vermessen, ebenso das Streufeld des zerstörten Sarges. Aufgrund des gefrorenen Bodens war es schwierig, herumliegende Knochen und Sargteile (Hölzer, Teile der Kupferblechummantelung), soweit sichtbar und zugänglich, zu bergen.
Tags darauf wurden die maschinellen Aushubarbeiten unter archäologischer Aufsicht wieder aufgenommen. Mit einem Kleinbagger (Takeuchi 260) erfolgte das Abziehen des Streufeldes, dabei können weitere Sargbestandteile und menschliche Knochen (Schädel, Beckenschaufel, ein paar Langknochen, Wirbel und Rippen) geborgen werden.
Anschließend wurde der in situ befindliche Sarg mit dem Kleinbagger sowie manuell vorsichtig freigegraben. Der Sarg war in eine wasserundurchlässige Schlierschicht eingetieft, deshalb stand auch das Innere unter Wasser. Nach weiteren Dokumentationsarbeiten konnte der Sarg mit dem Bagger auf eine Europalette geschoben und mittels LKW-Kran und Palettengabel auf einen LKW verladen werden, ebenso die losen Bretter des zweiten Sarges. Der Grundeigentümer stellte dankenswerterweise eine große Garage in Seewalchen zur Verfügung, um das Fundgut lagern zu können. Das Hauptaugenmerk lag nun auf der archäologischen Begleitung der weiteren Aushubmaßnahmen. Dabei fiel auf, dass vor allem die obersten Schichten (bis über 1 m Tiefe) stark rezent gestört sind und Schuttschichten des 20. Jahrhunderts eingelagert sind. Archäologische Hinweise auf die hier, bzw. im Umfeld vermutete evangelische Kirche, welche 1615 errichtet und deren Bestand bis 1656 nachgewiesen ist, konnten keine gefunden werden. Einzig eine steingefasste Drainage war auf einer Länge von ca. 1,70 m noch archäologisch fassbar. Die Grundmauern des evangelischen Bethauses dürften beim Abbruch im 17. Jahrhundert oder vielleicht erst Mitte des 20. Jahrhunderts komplett ausgerissen worden sein, geht man davon aus, dass das Gebäude tatsächlich an dieser Stelle stand. Interessanterweise wurden etwa 2 m südlich des Sarges zwei Kupferblechteile im Schutt gefunden, die ebenfalls von einem Sarg stammen, jedenfalls an einer Stelle, wo bei der gegenständlichen Baustelle noch keine Erdeingriffe stattfanden. Die Analyse der Teile wird zeigen, ob hier vielleicht ein weiteres Grab durch Grabungsarbeiten im letzten Jahrhundert angefahren, bzw. zerstört wurde.
Am 25. März konnten die geborgenen Teile in der oben erwähnten Garage in Seewalchen untersucht werden. Unter den Deckbrettern des Sargkorpus fand sich der Leichnam in Textilien gekleidet. Diese und auch alle weiteren Stoffe (Leder der Schuhe, Einband eines Gebetbuches, etc.) weisen einen hervorragenden Erhaltungszustand auf. Im Zuge der Textilbergung wurden auch einzelne Knochen aus dem Verband entfernt (die Armknochen steckten naturgemäß noch in den Ärmeln). Anschließend wurde der Sarg vollständig ausgeräumt. Alle diese Arbeiten erfolgten unter fotografischer Dokumentation, die Grundmaße des Sarges wurden vermessen. Auch die Sargbretter und Metallteile der vom Bagger angefahrenen Bestattung wurden entsprechend dokumentiert, eine Probennahme an zwei ausgewählten Brettern erfolgte für dendrochronologische Untersuchungen. Beim Reinigen des Knochenmaterials kam noch ein goldener Fingerring mit der Gravur („Leben an Christ“) zum Vorschein. Derzeit laufen die anthropologischen und dendrochronologischen Untersuchungen, die Restaurierungsmaßnahmen am Sarg selber sind ebenfalls angelaufen. Ein großer Dank sei der Textilrestauratorin ausgesprochen, welche durch ihr rasches Handeln die fantastisch erhaltenen Stoffe bereits fachgerecht konservieren konnte.

Es bleibt abzuwarten, welch spannende Ergebnisse dieser „Baustellenfund“ noch bringen wird.

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