IDENTIFIKATION 1.1 / Das Rätsel ist gelöst

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Die zusammengeklappte Kupfertafel konnte zwar problemlos bewegt werden, allerdings stellte sich heraus, dass eine vollständige Öffnung ohne Beschädigung nicht möglich ist. Durch eine dankenswerter Weise von der FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH in Wels durchgeführte Computertomographie ist das Aufklappen ohnehin obsolet. Die aus der computertomographischen Untersuchung gewonnenen Bilder und Videos ermöglichen eine Lesung der Inschrift und damit die zweifelfreie Identifizierung der (nun nicht mehr so) „geheimnisvollen Litzlbergerin“. Anna Engl von Wagrain, geborene Furtin, verstarb am 2. Juli 1620 und wurde beim protestantischen Predigthaus bestattet, das ihr Ehemann Simon Engl (1540-1639?) fünf Jahre zuvor errichten hat lassen.

HIE◦LIGT◦BEGRABEN◦DIE◦EDLE◦FRAV◦ANNA
ENGLIN◦VON◦WAGRAIN◦EIN◦GEBOHRNE FVRTIN◦WELCHE◦DEN◦Z◦TAG◦IVLII◦
ANNO◦DOMINI◦M◦D◦C◦XX◦IN◦DEM
SCHLOS◦LYZELBERG◦IN◦GOTT◦
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WIR◦DEM◦HERREN◦WIR◦LEBEN◦
ODER◦STERBEN SO◦SEINT◦WIR◦
DES HERREN◦

Besonders interessant ist auch das abschließende Bibelzitat (Brief an die Römer 14,8), das inhaltlich dem Spruch auf Anna Engls Fingerring („Leben an Christ“) wunderbar entspricht und wohl als Lebensmotto interpretiert werden darf.

Mit dem schönen und frommen Wunsch aus der Tafel schließe ich diesen Beitrag: „Möge der allmächtige Gott uns allen ein seliges Sterbstündlein verleihen!“

[Stefan Traxler, ARCHÄOLOGE]

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Kommentare:
  1. Gerhard Landauf sagt:

    Eine großartige Leistung des gesamten Expertenteams! Vielen Dank für die packenden und fundierten Berichte!

  2. Roland Forster sagt:

    Gibt es auch eine Möglichkeit, diese Sargtafel zu gegebener Zeit gemäß unseren Richtlinien der Arbeitsgruppe Inschriften an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu dokumentieren bzw. zu edieren? Ich beschäftige mich seit 2000 mit genau dieser Thematik, davon 2005-2011 hauptberuflich als wissenschaftlicher, seither als freier Mitarbeiter bei der genannten Arbeitsgruppe.
    https://www.oeaw.ac.at/imafo/forschung/editionsunternehmen-quellenforschungmir/inschriften-wien/

  3. S Traxler sagt:

    Lieber Roland, selbstverständlich gerne, bitte melde dich Anfang Juni bei mir! Liebe Grüße, Stefan

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Die Adelsfamilie Engl von Wagrain und ihre Besitzung Schloss Litzlberg

Das ursprünglich aus Franken stammende Rittergeschlecht Engl stand spätestens ab 1499 in landesfürstlichen Diensten unter Kaiser Maximilian I. Dieser gestattete dem Mautaufschläger Albrecht Engl den Wiederaufbau des Edelsitzes Wagrain nahe Vöcklabruck.

Nach 1573 teilte sich die Familie in zwei Linien. Simon Engl begründete als Stammvater den Litzlberger Zweig, der mit Sigmund Friedrich Engl von Wagrain im Jahr 1701 wieder ausstarb und danach mit dem Hauptzweig vereinigt wurde. Simon Engl wurde 1598 in den jungen, 1615 in den alten Ritterstand aufgenommen.

Simon Engl erwarb 1605 Schloss Litzlberg von Weikard von Polheim, beide gehörten dem protestantischen Glauben an. 1615 ließ Simon Engl in Litzlberg eine evangelische Hauskapelle errichten, die bis 1656 nachgewiesen ist. In zwei Ehen zeugte er sieben Töchter und fünf Söhne.

Simon Engls Sohn, Wolf Albrecht musste um 1630/31 auf Grund seines protestantischen Glaubens kurzzeitig Oberösterreich verlassen, kehrte später zurück, verstarb jedoch 1640.

 

Literatur:

Marks, Alfred: Familiengeschichtliche Aufzeichnungen der Engl von Wagrain 1657 bis 1797. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Beiträge zur Rechts-, Landes- und Wirtschaftsgeschichte. 8. Band. Graz/Köln 1964. 274-286

Zauner, Alois: Vöcklabruck und der Attergau. Stadt und Grundherrschaft in Oberösterreich bis 1620 (Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs). Linz 1971. 292

 

[Peter März HISTORIKER]

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