Identifikation 03 / Portrait der Anna Maria Händlin

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Die Gräber befanden sich im unmittelbaren Umfeld des protestantischen Gebetshauses von Litzlberg. Schloss Litzlberg war von 1605 bis um 1640 im Besitz der Familie Engl von und zu Wagrain. Simon Engl (1571-1629) ließ das Gebetshaus 1615 errichten. Es ist also naheliegend, die offensichtlich gutbetuchte Dame im Kreis seiner Familie zu suchen.

Simon selbst hat sicher auf der Stammburg Wagrain residiert. Sein ältester Sohn Wolfgang Albrecht (1599-1640) führt den Titel „von und zu Wagrain auf Litzlberg und Schmiding“. Wolfgang Albrecht hat 1631 geheiratet und ist 1640 in Schmiding verstorben. Diese Linie ist zwar nicht auszuschließen, aber besonders wahrscheinlich erscheint sie auf Grund der vorliegenden Daten nicht.

Eine zweite Option ist die Suche im Umfeld von Simons jüngerem Bruder David Engl zu Schöndorf (1572-1629). Sein Sohn Stephan (1598-1650?) führt den Titel „von und zu Wagrain auf Litzlberg“. Seine erst Frau ist Anna Maria Händlin, die er 1618 heiratet. Ihr war aber offensichtlich kein langes Leben beschieden (das Sterbedatum wissen wir bis dato noch nicht). Ein Portrait in der Sammlung Spiegelfeld zeigt die junge Dame und sowohl die Kleidung als auch ihr Wappentier – der Hahn (vgl. Details vom Portrait und vom Stammbaum sowie das Foto vom Ring) – würden sehr gut ins Bild passen. Handelt es sich bei der „geheimnisvollen Litzlbergerin“ gar um Anna Maria Händlin selbst? Oder ist es eine andere nahe Verwandte von Wolfgang Albrecht und Stephan? Mit Spannung dürfen die Detailuntersuchungen an der Grabtafel erwartet werden…

Das Portrait der Anna Maria Händlin stammt aus der Sammlung Spiegelfeld in Schloss Tillysburg. Schlossherr und Engl-Nachfahre Georg Spiegelfeld hat bereits zugesagt, sich für DNA-Untersuchungen zur Verfügung zu stellen, die vielleicht auch Hinweise auf die zweite Bestattung liefern.

[Stefan Traxler, ARCHÄOLOGE]

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Kommentare:
  1. S Traxler sagt:

    Die von Susanne Heimel im Zuge der Holzrestaurierung identifizierten Säuglings- bzw. Kleinkindersärge machen die Sache natürlich noch spannender. Es ist zu hoffen, dass von den hier bestatteten Kindern auch Knochen geborgen worden sind. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse aus den anthropologischen Untersuchungen von Silvia Renhart.

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Die Adelsfamilie Engl von Wagrain und ihre Besitzung Schloss Litzlberg Das ursprünglich aus Franken stammende Rittergeschlecht Engl stand spätestens ab 1499 in landesfürstlichen Diensten unter Kaiser Maximilian I. Dieser gestattete dem Mautaufschläger Albrecht Engl den Wiederaufbau des Edelsitzes Wagrain nahe Vöcklabruck. Nach 1573 teilte sich die Familie in zwei Linien. Simon Engl begründete als Stammvater den Litzlberger Zweig, der mit Sigmund Friedrich Engl von Wagrain im Jahr 1701 wieder ausstarb und danach mit dem Hauptzweig vereinigt wurde. Simon Engl wurde 1598 in den jungen, 1615 in den alten Ritterstand aufgenommen. Simon Engl erwarb 1605 Schloss Litzlberg von Weikard von Polheim, beide gehörten dem protestantischen Glauben an. 1615 ließ Simon Engl in Litzlberg eine evangelische Hauskapelle errichten, die bis 1656 nachgewiesen ist. In zwei Ehen zeugte er sieben Töchter und fünf Söhne. Simon Engls Sohn, Wolf Albrecht musste um 1630/31 auf Grund seines protestantischen Glaubens kurzzeitig Oberösterreich verlassen, kehrte später zurück, verstarb jedoch 1640.   Literatur: Marks, Alfred: Familiengeschichtliche Aufzeichnungen der Engl von Wagrain 1657 bis 1797. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Beiträge zur Rechts-, Landes- und Wirtschaftsgeschichte. 8. Band. Graz/Köln 1964. 274-286 Zauner, Alois: Vöcklabruck und der Attergau. Stadt und Grundherrschaft in Oberösterreich bis 1620 (Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs). Linz 1971. 292   [Peter März HISTORIKER]

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