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Lebensdaten historischer Persönlichkeiten lassen sich durch schriftliche Quellen wie Urkunden, Verträge, Matriken, Gerichtsurteile, Handschriften und Stammbäume erschließen. Wenn sich in auch nur einer dieser Quellen ein Fehler einschleicht, wird dieser unter Umständen abgeschrieben und über Jahrhunderte hinweg weitergegeben. Darüber hinaus können Dokumente verloren gehen oder wieder auftauchen, manche erweisen sich als Fälschungen. Insofern ist stets zu berücksichtigen, dass Angaben zu Personen aus dem frühen 17. Jahrhundert lediglich Momentaufnahmen sind. Sie geben den derzeitigen Forschungsstand wieder, können beträchtliche Lücken aufweisen und mit Fehlern behaftet sein.

 

So verhält es sich auch bei den Recherchen, um zu klären, welche Person nun tatsächlich in dem wertvollen Metallsarg am Attersee begraben war. Im Lauf der Nachforschungen stellte sich heraus, dass es sich nicht, wie ursprünglich angenommen, um Anna Maria Engl, geborene Händlin handeln kann, sondern um eine hochgestellte Frau aus einer anderen Linie der weitverzweigten Familie Engl. So ist nun durch die Grabtafel zweifelsfrei geklärt, dass sie jene Dame ist, die, mit hochwertiger Seide bekleidet, 400 Jahre lang in unmittelbarer Nähe der ehemaligen protestantischen Kapelle bei Schloss Litzlberg lag, Anna Engl, geborene Furtin ist.

 

Anna Engl, geborene Furtin

Anna Furtin (Furth) von Furtenbach/Furttenberg, geboren zwischen 1570 und 1580, war die Tochter des kaiserlichen Rates und Vizedoms von Ober- oder Niederösterreich(?), Wolf Furth und Magdalene, geborene Urkauf.

Anna Furtin heiratete Simon Engl am 10. Juli 1594 im Hasenhaus, dem Stammsitz der Familie Furth in Wien und gebar drei Söhne und vier Töchter. Söhne: Wolf Albrecht (*24.2.1599 bis + ca. 1640; oo 30. Mai 1631 Sybilla Dorothea von Jaxheim), Maximilian (oo Sophia Elisabeth von Jaxheim; kinderlos) und Carl (oo Susanne Ehrenreutherin), Töchter: Magdalena (oo Christoph Strutz), Anna Elisabeth, Eva Rosina und Susanna. Anna Furtin verstarb am 2. Juli 1620 in Litzlberg am Attersee und wurde ebendort begraben.

 

Simon Engl von Wagrein

Simon Engl von Wagrain, geboren um 1570, verstorben am 22. August 1639(?), Sohn von Stephan Engl von Wagrain (*1510 in Wagrain bis +24. März 1573), Ratsherr zu Steyr und Maria Magdalena Dorningerin (*1520 bis +1580). Um 1605 erwarb er von Weikard von Polheim Schloss Litzlberg in Seewalchen am Attersee. 1615 ließ Engl als Reaktion auf gegenreformatorische Bestrebungen ein neues evangelisches Predigthaus erbauen, in dem bis 1624 Cyriac Götz seinen Dienst versah. 1625 wurde Simon Engl zum Verordneten des obderennsischen Ritterstandes gewählt. Nach Anna Furtins Tod am 2. Juli 1620 heiratete er Christina Hackin, Tochter des Georg Hacken zu Mistelbach und Magdalena von Rohrbach. Mit ihr hatte er zwei Söhne und drei Töchter.

 

Christina Hackin

Christina Hackin (Hackhin) von Pornimb, Tochter des Georg Hacken zu Mistlbach bei Wels (bei Schloss Aichet), Inhaber/Pfleger der Herrschaft Kammer am Attersee (+1613) und Magdalena von Rohrbach/Wenland (+27.4.1618). Mit ihr hatte Simon Engl zwei Söhne und drei Töchter. Söhne: Hans Ernreich und Friedrich, Töchter: Anna Euphemia, Charitas und Sophia. Christina Hackin führte nach Simon Engls Tod seine Geschäfte weiter.

 

Literatur

Hoheneck, Johann Georg Adam: Die löblichen Herren Stände des Erz-herzogthumb Oesterreich ob der Ennß. Passau 1727. S. 78-80, S. 216, S. 233, S. 498

Zauner, Alois: Vöcklabruck und der Attergau. Stadt und Grundherrschaft in Oberösterreich bis 1620 (Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs). Linz 1971. S. 293, S. 385, S. 565

Wißgrill, Franz Karl: Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels. Dritter Band. Wien 1797, S. 188

https://www.ronniger.at/familienchronik/gf_7.html#0

OÖLA, Herrschaftsarchiv Wagrain, III. Handschriften, HS 1, fol. 60 (Tagebuch David Engl 1589-1601); HS 10 (Briefprotokoll der Herrschaft Wagrain, 1632-1640)

 

[Peter März HISTORIKER]

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Kommentare:
  1. Gerhard Landauf sagt:

    @Peter März:
    Kann es sein, dass es 2 Simon Engl im Stammbaum gibt und diese beiden irrtümlicher Weise für eine Person gehalten werden?
    Falls wir von nur einem Simon Engl ausgehen, dann wäre der nämlich 99 Jahre alt geworden!
    Im Ladesarchiv gibt es Dokumente von 1643, die auf das Erbe nach Simon Engl Bezug nehmen, also vielleicht sogar ein Sterbejahr 1643 nahe legen.
    Es wäre dann gar ein Lebensalter von zwischen 99 und 103 Jahren anzunehmen, was ich für das frühe 17 Jahrhundert für sehr fraglich halte.
    Natürlich nicht ganz ausgeschlossen. Aber müsste dann nicht das sensationell hohe Alter des Simon Engl irgendwie in der Engl-Chronik überliefert worden sein?
    Die Ehefrau, Anna Furtin, starb mit ca. 50 Jahren und hatte lt. archäologisch-anthropologischem Befund, massivste Krankheiten, unter anderem Zahn- und Kieferinfektionen und war durch Gicht wahrscheinlich gehunfähig.
    Wenn man von ein und demselben Simon Engl ausgeht, dann müsste dieser außerdem erst mit 54 Jahren zum ersten Mal geheiratet haben und schließlich mit 80 Jahren zum zweiten Male.
    Um dann im Alter von 80+ noch 2 Kinder mit der zweiten Ehefrau gezeugt zu haben.
    Gibt es also Nachforschungen, ob es sich um 2 Simon Engl gehandelt haben könnte, wobei derjenige, der 1540 geboren wurde, ein anderes Familienmitglied gewesen ist?

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Simon von Engl kaufte Schloss Litzlberg zwischen 1605 und 1608 von Weikard von Polheim. Allerdings erwarb Engl zu diesem Zeitpunkt lediglich das Schloss selbst, die anderen Besitzungen, wie etwa ein Meierhof, eine Säge sowie verschiedene Zehenten, verblieben bei Polheim. 1615 erweiterte er das Schloss um einen Rundturm, wobei ein Römerstein gefunden wurde. Im gleichen Jahr ließ er als Reaktion auf gegenreformatorische Bestrebungen in den Nachbargemeinden ein neues evangelisches Predigthaus erbauen, in dem bis 1624 Cyriac Götz seinen Dienst versah. Die Engl von Wagrain besaßen Litzlberg zumindest bis 1642, wobei Gottlieb Engl von Wagrain in diesem Jahr das Schloss an Franz Christoph Khevenhüller verkaufte. Dieser (Ver-)Kauf wurde entweder später rückabgewickelt oder Khevenhüller verkaufte weiter. In einer Urkunde vom Dezember 1642 wird Franz Christoph Khevenhüller zu Aichberg, Graf zu Frankenburg, Herr der Herrschaft Lützlberg, genannt. Nächster nachgewiesener Besitzer ist der ständische Landschaftseinnehmer Johann von Kunitz, der bis 1655 Leheninhaber von Litzlberg war. Auf ihn folgte Christoph Staindl von Plötzened, der Litzlberg dann 1664 an das Geschlecht der Seeauer verkaufte. Der erste war Elias von Seeau zu Mühlleiten. Er hatte vorher auch die Herrschaft Würting gekauft. Die Seeauer waren dann bis 1769 Besitzer von Litzlberg.   Literatur: OÖLA, Kommunalarchiv Gramastetten, Urkunde Nr. 13 OÖLA, Herrschaftsarchiv Wagrain, HS 10 OÖLA, Museala, Khevenhüllerarchiv, Sch. 143, Sch. 147 Zauner, Alois: Vöcklabruck und der Attergau. Stadt und Grundherrschaft in Oberösterreich bis 1620 (Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs). Linz 1971. 385, 565   [Peter März HISTORIKER]

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Des Rätsels Lösung lieferte wie erwartet die Grabtafel, die neben dem vom Bagger beschädigten Metallsarg entdeckt worden war. Es handelt sich bei der „geheimnisvollen Litzlbergerin!“ um Anna Engl von Wagrain (ca. 1574-1620).

IDENTIFIKATION 1.1 / Das Rätsel ist gelöst