Anthropologie: Bestattung 2 – ein erwachsener Mann

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Anthropologie: Bestattung 2 – ein erwachsener Mann

Bei den zur anthropologischen Untersuchung übergegebenen Bestattungsresten aus Litzlberg handelt es sich um zwei erwachsene Individuen fortgeschrittenen Alters. Alle vorhandenen Knochen konnten diesen beiden Bestattungen zugewiesen werden. Die Vermutung, dass eventuell auch Kinderbestattungen bzw. Reste davon dabei sein können, bestätigte sich nicht.

Von Bestattung 2 liegen neben wenigen Langknochen und Knochen des Körperstammes nur das Calvarium (d.h. Schädel ohne Unterkiefer) vor. Die in ihrer Konsistenz gut erhaltenen Knochen sind dunkelbraun-grau gefärbt. Die anthropologische Sterbealters- und Geschlechtsanalyse ergab, dass es sich um einen „frühmatur“, also zwischen dem 41. und 50. Lebensjahr, verstorbenen Mann handelt. Er war mit 156,4 cm „klein“ gewachsen, aber von kräftiger Statur und einst wohl gut trainiert, wie die Muskelmarken an den Knochen verraten. Für das männliche Geschlecht sprechen die typisch männlichen Formmerkmale an Becken, Schädel und Langknochen. Die erhaltenen Partien der Wirbelsäule geben nicht nur Zeugnis von alterstypischen Abnutzungen infolge eines arbeitsreichen Lebens, sondern auch von heftiger Beanspruchung des Achsenskelettes wie es das Reiten darstellt – was sich auch durch die vorhandene Reiterfacette bestätigt.

An den Oberkieferzähnen zeigen sich ein mittelstark ausgeprägter Zahnbettschwund und ein ebensolcher Zahnsteinbesatz. Vom linken ersten Oberkiefermolaren ist nur ein Wurzelrumpf mit eröffnetem Wurzelkanal vorhanden. An den beiden übrigen Mahlzähnen sind Zahnhalskaries zu diagnostizieren. Die Zähne weisen einen für das Sterbealter geringen Abkauungsgrad auf, was auf eine wohl relativ gute Ernährung schließen lässt. Aber es gibt auch Hinweise, dass er wahrscheinlich in jungen Jahren unter etlichen Versorgungsengpässen gelitten hat. Davon zeugen leichte Porosierungen im Augenhöhlendach, wie auch am Schädeldach und am harten Gaumen. Solche feinen Lochungen sind auch an den Felsenbeinen manifestiert und weisen auf Mittelohrentzündung hin. Es ist nahliegend einen kausalen Zusammenhang im Auftreten dieser Symptome zu sehen. Denn wiederholter Vitamin- und Mineralstoffmangel (hervorgerufen durch Hungerperioden im Winter und/oder durch einseitige, nährstoffarme Ernährung) in Kindheitsjahren führen zur Schwächung des Immunsystems und steigern die Anfälligkeit für Viren und Bakterien.

[Silvia Renhart, ANTHROPOLOGIN]

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OÖLA, Herrschaftsarchiv Wagrain, HS 1, fol. 60

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